Dissoziative Symptome finden sich im psychosomatischen Arbeitsalltag relativ häufig. Die
Kennzeichen von
dissoziative
n
Symptome
n bestehen teilweise in einer veränderten Wahrnehmung der eigenen
Person, des Identitätsbewusstseins, der Wahrnehmung unmittelbarer
Empfindungen sowie der Kontrolle von Körperbewegungen. Auch können die
Sinnesorgane beeinträchtigt sein. So kann es zu plötzlichen Sehstörungen
kommen, Einengung des Gesichtsfeldes bis hin zu plötzlich auftretender
Erblindungen. Auch die Hörfähigkeit kann beeinflusst sein. So kann es zu Hyper - oder Hypoakusis kommen, also zur Lärmempfindlichkeit oder
Schwerhörigkeit, zu Ohrgeräuschen die plötzlich auftreten oder zu dem
Gefühl nichts mehr zu hören.
Dissoziative Symptome können sich
beinahe wie eine körperliche Erkrankung manifestieren. Das charakteristische
von dissoziative
n Symptome
n ist, dass eingehende Untersuchungen und Befragungen keinen Hinweis
auf körperliche Erkrankungen ergeben. Oft treten diese Störungen akut und
sehr eindrucksvoll auf und „verschwinden“ ebenso schnell auch wieder. Die
auftretenden
dissoziative
n
Symptome sind oft Ausdruck massiver emotionaler Konflikte oder Bedürfnisse
und Hinweis auf deutliche seelische Überforderung. Der Begriff der
dissoziative
n Symptome wird auch im ICD 10 mit dem Begriff der
Konversionsstörung assoziiert. Freud bezeichnete die
dissoziative
n
Symptome auch als Ausdruckserkrankung. Der Körper bringt abgewehrte
seelische Konflikte zu Ausdruck. Betroffen sind am häufigsten der
Bewegungsapparat und die Sinnesorgane.
Eine körperliche und weitere
psychiatrische Erkrankung sollte allerdings auf jeden Fall ausgeschlossen
werden.
2. Was versteht man unter
dissoziative
r
Amnesie (Gedächtnisstörung)?
In unserem stationären Alltag der
Wicker-Klinik Bad Wildungen sind dissoziative Symptome relativ häufig bei
Patientinnen nach traumatischem Erleben zu finden. Wir verstehen die Symptome
als Hilfs- und Schutzsymptome um die Betreffenden vor seelischer
Überforderung zu schützen.
Häufiges Beispiel der
dissoziative
n
Symptome sind die dissoziative Amnesie (Gedächtnisstörung). Diese
bezieht sich meist auf traumatische Ereignisse, beispielsweise Unfälle oder
unbearbeitete Trauerfälle und bedeutet, dass das vergangene Ereignis oder die
Probleme oder traumatischen Erlebnisse einfach nicht mehr erinnerbar sind. Die
Erinnerung an das Erlebte steht dem Betroffenen nicht mehr zur Verfügung. Oft
dauert es einige Zeit bis Erlebtes wieder erinnerungsfähig wird, manches
bleibt auch nicht erinnerbar. Wir verstehen die dissoziative Amnesie als
unbewussten Schutz des Menschen, der sich an ein
traumatisierendes Ereignis
nicht erinnern kann, da es seine derzeit zur Verfügung stehenden
Verarbeitungs- und Bewältigungsmechanismen überfordern würde.
3. Was versteht man unter einer
dissoziative
n Fugue (unbewusstes Verlassen der Umgebung)
Ein weiteres
dissoziative
s
Symptom ist das der dissoziative
n Fugue. In nicht pathologischer Form kennen
viele Menschen solche Zustände beispielsweise beim Autofahren. Man fährt und
findet sich nach einer Zeit an einem bestimmten Ort wieder. Für die
Zwischenzeit besteht für die Strecke und die Tätigkeit des Fahrens keine
Erinnerung mehr. Dieses ist ein ganz normales Verhalten und tritt häufiger
bei Routinetätigkeiten auf.
Bei dem dissoziative
n Symptom der Fugue
treten solche Zustände häufiger auf und sind nicht kontrollierbar. Menschen
finden sich z.B. plötzlich an Orten wieder, an denen sie noch nie waren und
wo sie auch nicht hin wollten. Für die Zeit der Reise und die
zwischenzeitlichen Geschehnisse besteht keine Erinnerung. Die betroffenen
Menschen erleben dies häufig als sehr beschämend und belastend und versuchen
es vor ihrem Umfeld zu verbergen, da sie keine Erklärung für ihr Verhalten
haben.
4. Was versteht man unter
dissoziative
n
Bewegungsstörungen?
Bei sog.
dissoziative
n
Bewegungsstörungen ist die Beweglichkeit eingeschränkt .Sie kann
entweder einzelne Körperglieder oder den gesamten Körper betreffen. Manchmal
treten auch Koordinationsstörungen auf und die Fähigkeit ohne Hilfe zu gehen
und zu stehen geht verloren. Dies kann so weit gehen, dass manche Menschen
zeitweise auf einen Rollstuhl angewiesen sind.
5. Was versteht man unter
dissoziative
n
Sensibilitäts- und
Empfindungsstörungen?
Ein weiterer relativ großer Bereich der
dissoziative
n
Symptome, die wir in unserem stationären Alltag häufig sehen, sind
dissoziative Sensibilitäts- und Empfindungsstörungen. Hier handelt es sich
um den Verlust von normalen Hautempfindungen in einzelnen Körperbereichen
oder am gesamten Körper. Es gibt Symptome wie Nadelstiche, Kribbeln auf der
Haut oder auch Taubheit und ähnliche Symptome.
Wie bereits weiter oben beschrieben gibt
es dann auch noch die Störungen der Seh-, Hör- und Riechfähigkeit als
möglicherweise dissoziative Symptome. Wichtig ist, auch hier immer eine
organische Erkrankung als Ursache auszuschliessen. Viele dissoziative Symptome
haben Signalcharakter. So kann z.B. eine Sehstörung als dissoziative
s Symptom
bedeuten, einen Menschen mit dem Konflikte oder Auseinandersetzungen bestehen
„nicht mehr sehen zu können“. Die Sehstörung ist dann der seelische
Ausdruck bisher nicht gelöster Konflikte.
So ist ein möglicher Therapieansatz im
Umgang mit dissoziative
n
Symptome
n, das Verständnis der belastenden Situation und des
seelischen Zusammenhangs mit den PatientInnen zu erarbeiten. Gleichzeitig
verstehen wir die
dissoziative
n
Symptome auch als Ressource. Die Seele hilft sich in für sie nicht
anders aushaltbaren Situationen in der ihr möglichen Sprache über
Körpersymptome oder Veränderung von Wahrnehmung. Wenn die Symptomatik als
„Seelensprache“ verstanden wird, ist es für viele PatientInnen möglich,
an den Auslösern der Belastungen zu arbeiten und ihre Strategien im Umgang
mit der Symptomatik zu verändern.
6. Was ist eine dissoziative
Identitätsstörung (Multiple Persönlichkeit)?
Eine ausgeprägtere dissoziative
Symptomatik, die infolge massivster Gewalt entsteht, ist die dissoziative
Identitätsstörung, die Aufspaltung in mehrere Personenanteile. Hier führt
extreme Gewalt dazu, dass sich eine Person in unterschiedliche Personenanteile
aufspaltet um die Gewalt zu überleben. Dies ist eine gesonderte Form der
dissoziative
n
Symptome, die einen spezifischen Therapieansatz benötigen, wie wir
sie in unserer Abteilung im Bereich unserer
traumatherapeutischen Arbeit
anbieten.
7. Was sollte bei der Arbeit mit
dissoziative
n
Symptomen immer beachtet werden?
Bevor die Diagnose einer
dissoziative
n
Störung gestellt wird, sollte eine gründliche körperliche
Diagnostik abgeschlossen sein, die eine mögliche organische Ursache für die
Symptomatik ausschließt.
Wir verstehen die
dissoziative
n
Symptome als unbewussten Schutz der betroffenen Patientinnen und
Patienten vor Erinnerungen, die sie nicht ertragen können oder als Signale
von ungelösten Konflikten und schwerwiegenden Belastungen. Aus dieser Sicht
stellen die dissoziative
n
Symptome einen Lösungsversuch der Einzelnen dar, da sie noch keine
funktionaleren Lösungsmöglichkeiten zur Verfügung haben.
8. Unsere Therapiemethoden bei
dissoziative
n
Symptomen:
Bei Aufnahme erfolgt zunächst die
psychotherapeutische Anamnese und Diagnostik durch eine ärztliche oder
psychologische Psychotherapeutin und die körperlich-medizinische Diagnostik
durch einen Arzt /eine Ärztin.
Mit allen Patienten und Patientinnen
wird ein auf die Bedürfnisse des Einzelnen abgestimmter Therapieplan
erstellt. Das Therapieangebot umfasst regelmäßige Einzel- und
Gruppengespräche (ich-strukturell modifizierte Gruppentherapie, mit
verhaltenstherapeutischen Elementen), Bewegungs-/Körpertherapie, Mal-,
Werktherapie oder Kunsttherapie und verschiedene Entspannungsverfahren
(Progressive Muskelrelaxation nach Jakobson, Atemtherapie, EMG-Biofeedback und
Atembiofeedback).
Die körperliche Behandlung erfolgt je
nach Indikation.
Darüber hinaus stehen die
physikalischen Therapiemethoden (Physiotherapie, Heilbäder, Sauna, Hallenbad
usw.) im Rahmen der übergreifenden Angebote der Klinik zur Verfügung.
Ihre Dr. med. Marion Traub
Leitende Oberärztin

Zur Klärung
weiterer medizinischer Fragen und Behandlungs- bzw. Therapiemöglichkeiten steht
Ihnen unsere Chefärztin im persönlichen Gespräch gerne zur Verfügung. Bitte
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Aktualisiert: Juli 2010
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